Surfen ist ein Sport, der eng mit der Natur verbunden ist. Und trotzdem setzt jedes herkömmliche Surfboard 6 bis 8 Kilo CO₂-Äquivalent frei, verbraucht giftige Chemikalien und landet oft nach wenigen Jahren auf der Deponie. Ein Widerspruch, den immer mehr europäische Shaper zu lösen versuchen.
Das Problem mit herkömmlichen Boards
Das typische Surfboard besteht aus einem Kern aus geschäumtem Polyurethan (PU), verstärkt mit Glasfaser und Polyesterharz. Fast nichts davon ist recycelbar. PU wird aus Erdöl hergestellt, das Harz setzt beim Aushärten Styrol (krebserregend) frei, und die Verschnittreste landen als Industrieabfall.
Die gute Nachricht: Es gibt echte Alternativen. Und in Europa gibt es Werkstätten, die sie seit mehr als einem Jahrzehnt bauen.
Holzboards: ein uraltes Handwerk kehrt zurück
Die ersten Surfboards waren aus massivem Holz. Heute arbeiten Holzboard-Shaper mit „Hollow-Wood“-Techniken: ein leichtes inneres Gerüst (oft aus Paulownia, Balsa oder Zeder), beplankt mit dünnen Holzlagen und mit natürlichem Epoxid oder Leinen versiegelt.
Vorteile: enorme Haltbarkeit (ein gut gepflegtes Holzboard hält Jahrzehnte), eine umwerfende Optik, nachwachsende Rohstoffe. Nachteile: Sie sind etwas schwerer, teurer (zwischen 900 und 2.500 €) und brauchen eine andere Pflege.
In Europa gibt es eine Handvoll ikonischer Werkstätten:
- Kun Tiqi (Langre, Kantabrien, Spanien) – die spanische Referenz.
- Jabali Surfboards (Braga, Portugal).
- Truwood Surfboards (Ripollet, Barcelona).
- Flamasurf (Barcelona).
- UhainaPo (Bidart, Frankreich).
- Koad Surfboards (Zurzur, Frankreich).
- Linfa Surfboards (Bologna, Italien).
- No-Made Surfboards (Teramo, Italien).
- Wau Eco Surfboards (München, Deutschland).
- Blackwood Boards (Aachen, Deutschland).
Du kannst das Verzeichnis nach Holzboards filtern, um die komplette Liste zu sehen.
Öko-Boards: wenn Industrie es richtig machen will
Der andere Weg: das moderne Format (EPS + Epoxid) beibehalten, aber biobasierte Materialien verwenden. Pflanzliche Harze (Epoxid aus Ölen), Leinen- oder Jutefasern statt Glasfaser und recycelte Kerne verändern gerade die Szene.
Die europäische Referenz ist Notox (Anglet, Frankreich), Pionier bei der ECOBOARD-Zertifizierung und transparenten Prozessen. Andere wie Fatlines, Squid (Bretignolles-sur-Mer) und Polen Surfboards haben ebenfalls Öko-Prozesse eingeführt.
Europäische Shaper, denen du folgen solltest
Über die genannten hinaus gibt es eine neue Generation jüngerer Shaper, die spannende Sachen machen: die Portugiesen von 1974 Surfboards, die Italiener von Linfa, die Deutschen von Wau, die Spanier von Truwood. Die meisten sind auf Instagram aktiv und teilen viel von ihrem Prozess – eine unterhaltsame Art, mehr über Boards zu lernen.
So wählst du ein nachhaltigeres Board
Fünf Fragen an deinen Shaper:
- Welches Harz verwendest du? (Öko-Harze sind grün oder gelb, herkömmliche nicht.)
- Woher kommen deine Kerne?
- Recycelst oder verwertest du die Verschnittreste?
- Wie lange hält ein gut gepflegtes Board von dir?
- Gibt es eine reparierbare / recycelbare Option für das Ende seines Lebens?
Antwortet er ehrlich und mit Fachwissen, ist die Entscheidung schon halb gefallen. Echte Nachhaltigkeit steckt nicht in einem Label, sondern in einem Gespräch.
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